Schweigen ist besser

Dieser Blogeintrag wird unter dem Einfluss von folgendem Lied geschrieben:
ilarius feat. taz & greis – bruches nüm

Ich weiss echt nicht. Was bringts noch zu reden. Alles ist gesagt. Wir wissen doch alle wie die Welt aussieht, was wahr ist und was gelogen. Wir sehen dem anderen an wie es ihm geht, und wenn es ihm schlecht geht, fragen wir ihn ob wir ihm helfen können. Und dann sagt er “nein, schon okay” oder man spricht bis man leer aber nichts besser ist. Wir trinken Alkohol um unsere Stimmung zu heben, unserer Gesundheit zu schaden und zu vergessen, dass wir nicht mehr lachen können. Wir sitzen da, das grüne Gras an unseren Füssen ist in Wahrheit so grau wie wir selbst. Sehen in den Spiegel, reissen Fratzen, lachen über uns und denken daran, dass es ausser unser niemand lustig findet. Keiner lacht weil wir uns sind. Wir sind in einer Gesellschaft und das Erfüllen der Erwartungen der Anderen ist das einzige, was uns antreibt. Wir geben an, das und das machen zu wollen, aber eigentlich machen wir es nur, damit wir überleben. Damit wir nicht unter die Räder kommen.
Und wir laufen durch die Stadt, sehen uns die anderen Leute an, die genau so traurig anzusehen sind, wie unser Spiegelbild. Sehen sie an, die Menschen, die schön sind. Gosh, hast du ein hübsches Gesicht. Und im Zug nach Hause sitzen wir, starren raus in die verbaute Leere voller Häuser und Wiesen, deren Existenz uns versichert, dass wir etwas erreicht haben. Dass die Menschheit eben doch nicht nur scheisse ist. Und wir sehen hinaus in die Welt, in Gedanken nur bei uns. Das Gesicht der Frau, die wir lieben nur weil sie so gut aussieht. Der Herzschlag der schneller schlägt als wir am Abend online gehen und eine andere Frau online kommt, die nicht so gut aussieht, aber wir genau gleich stark lieben, weil sie den Charakter hat, den die andere nicht hat, da wir diese nicht kennen. Wir nippen an einem Glas Gin und irren durchs Netz in der Lüge, dass wir gerade mit Leuten kommunzieren, was wir zwar wirklich machen, nur dass sie nicht hier sind, wir sie nicht sehen und ihre Stimme nicht hören. Sag mir, was bringt es uns, mit der Person zusammen kommen, die wir lieben? Ein, zwei Jahre gehen wir zusammen ins Kino und kochen zusammen zuhause Sushi. Wir teilen das Bett, die Seele, die Liebe. Und dann ists vorbei und wir gehen. Nehmen uns jemand Neues. Wenn wir mutig sind, dann bleibt ein Stossgebet gegen Himmel, das uns die Lüge erlaubt den anderen ewig zu lieben. Wir wissen, dass es anders ist, aber es treibt uns an. In der grauen Hölle voller Einsamkeit und Leere bleiben wir auf der Suche nach dem was wir in Wirklichkeit suchen. Was wollen wir noch reden? Es gibt nur einen Weg, vorwärts, uns weiter anlügen und blind daran glauben was nicht existiert.
Stolz sind wir schlussendlich nur auf unsere eigenen Schöpfungen, aber was wir erschaffen ist in der nächsten Generation nichts mehr wert und wenn wir Kinder auf die Welt stellen können wir auch nur drauf hoffen, dass aus ihnen das wird, was wir von ihnen erhoffen. Wär ein Wunder, wenn sie es erfüllen und wir mit Stolz in der Brust sterben können.
Uns ist egal, was die anderen sagen. Wenn wir etwas sagen, was sie angreift rasten sie aus und greifen uns an. Deswegen weil wir ehrlich zu ihnen waren, ihnen sagen, was wir denken. Aber heute wird man lieber angelogen, das passt soviel besser in die eigene verlogene Traumwelt in dem jeder von uns lebt. Wer ist schon dankbar, wenn man ihm die Welt zerstört, da sind nicht mal Anöben.
Dabei wäre genau das das, was uns weiterbringt, uns zum ändern bewegt. Aber die Welt dreht genau gleich weiter, ob wir es tun oder nicht.

~ von kuma am 24. August 2010.

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