Eine Art Baumstamm
Ich hab schon mal im Rahmen einer Reihe namens „Ein Rundumschlag in der Animanga-Szene“ über die Verhaltungsmuster der dazugehörigen Leute nachgedacht, nun möchte ich das Thema nochmals ausgraben, auch wenn mir diesmal wahrscheinlich weniger Leute einfach so recht geben werden. Bevor ich beginne möchte ich noch kurz sagen, dass der Text symbolisch und metaphorisch verstanden werden muss, ich will hier niemanden brüskieren.
Es geht um die Struktur von Foren.
Diese, und da sind wir auch schon beim Titel, wachsen ähnlich wie ein Baumstamm. Ring für Ring bildet sich und so einzelne Generationen, die zwar unter sich grösstenteils homogen sind, aber trotzdem mit den anderen Generationen verbunden sind.
Das ganze bildet so eine Art Organismus, bei der alle Schichten ihren wichtigen Teil erfüllen. Wir haben ganz in der Mitte die Gründer-User, die User der ersten Stunde. Je älter der Baum wird, desto mehr sterben davon weg. Ohne sie aber, könnte gar kein weiterer Ring wachsen. So lagert sich immer mehr Schicht für Schicht neue Userschaft an, und je mehr User angewachsen sind, desto mehr können dazu kommen. Nur ein Volk, das bereits existiert kann sich auch fortpflanzen.
Das ist der erste Teil der Foren-Wachstumslehre, die wohl manche schon selbst kennen.
Nun, möchte ich das ganze erweitern. Und zwar gibts in dieser Art Baumstamm eine weitere Struktur. Denn der Baum muss irgendwie wachsen, er geht nicht nur in die Breite, er wächst auch in eine Richtung. Nicht alle Zellen in diesen Ringen sind gleich. Grob ausgedrückt unterscheide ich hier in Aristokraten und Bauern. Das tönt böse, dient aber wirklich nur der Veranschaulichung.
Erst möchte ich die Aristokraten behandeln. Sie sind, wie der Name es schon sagt eine ausgewählte Userschaft, und zwar aus folgendenen „Rängen“:
- Mitglieder der Führung des Forums, Administratoren, Moderatoren usw.
- Wichtige Personen von ausserforischen Aktionen (im Falle des MFs wären das z.B. Leute, die nur im Zusammenhang mit der JAN in Aktion treten)
- Leute, die auffällig in der Gunst oben genannter Personen stehen
- generell gilt: eher Leute mit mehr Sozialkompetenz als Mitglieder des Bauernstands
- generell gilt: je länger ein User dabei ist, desto eher ist er Teil der Aristokratie
- generall gilt: je älter ein User ist, desto eher ist er ein Teil der Aristokratie (steht in enger Verbindung zu den beiden Punkten oben)
- Leute, die auf irgendeine Art auffallen, z.B. von der Administration akzeptierte Spamer oder auch hervorragende Zeichner (im Falle eines aktiven Fan-Art Bereichs)
- User, die die Obrigkeit, bzw. die Aristokratie akzeptieren, gut heissen und sich ihr anschliessen wollen.
(Ich hoffe mir sind jetzt alle in den Sinn gekommen… ^^“)
Die Aristokraten sind gerne unter sich, halten sich auf Distanz mit der Bauernschaft, man kann sie als hochnäsig ansehen. Theoretisch kann aber jeder Teil der Aristokratie werden, je nachdem welchem der oben genannten Punkte man den User zuschreiben kann, gehts schneller oder weniger schnell. Auch erwähnt werden muss, dass die Aristokraten nicht prinzipiell hochnäsig oder abschätzig gegenüber den Bauern sind, meistens mischen sie sich sogar unter das Bauernvolk und werden von dem auch akzeptiert.
Die Aristokratie führt das Forum, selbst wenn es, wie viele vorallem auch kleinere Foren, diktatorisch geführt wird, hat sie meist ein minimales Mitspracherecht.
Der Gegenpol bildet der Bauernstand. Je nach Forum können die Bauern zwischen 60% und 90% der Userschaft bilden. Meist sind sie also den Aristokraten zahlenmässig überlegen. Im Unterschied zur Aristokratie haben sie allerdings keinerlei Macht. Das Bannen von Bauern passiert selten mit Aufschrei. Böse gesagt: Bauern kann man opfern ohne dafür Haare lassen zu müssen. (Genau deswegen nenn ich sie Bauern)
Aber genau hier liegt das Problem, und wer jetzt sauer wurde, der sollte jetzt umso genauer lesen. Denn, vergessen wir nicht, das ganze ist immer noch ein Baumstamm. Stellen wir uns nun also vor, dass die Aristkraten zusätzlich zur normalen Sterblichkeit, der regelmässig Aristkraten wie Bauern aus dem Baumstamm entfernt, noch Bauern abstösst, dann kriegen wir plötzlich das Problem, dass die Bauern den Aufstand starten. Da sie Bauern sind können sie die Herrschaft nicht an sich reissen, also bleibt ihnen nichts anderes übrig, als sich Stamm zu lösen und eine andere Gesellschaft zu suchen, wo sie wieder hinein wachsen. Schlussendlich besteht der Stamm nur noch aus Aristkraten und was passiert? Genau das was passiert wäre, wenn während der französischen Revolution die Bauern ausgewandert wären (statt dessen haben sei rebelliert, wie schon erwähnt, geht das ja nicht). Die Adligen wären verarmt, keiner mehr hätte Steuern gezahlt, der König wär verhungert. Oder was passiert, wenn bei einem Körper das Gehirn beginnt andere Extremitäten abzustossen, plötzlich kann sich der Organismus am Leben erhalten.
Genau so verhält es sich in einem Forum. Wird die Aristokratie zu egozentrisch, fallen plötzlich die Bauern weg, das Leben weicht aus dem Baumstamm und der Baum stirbt. Die Aristokraten, die sich zu sehr auf sich fixiert haben und über die Bauern lachten, die in ihrem eigenen Kreis wirtschafteten, bekommen keinen Zuwachs mehr. Sie sind gar nicht in der Lage den Organismus am Leben zu erhalten, da sie nicht mehr aus den Bauern die Aristokraten herausfiltern können, die wiederum die ersetzen, die der Aristkratie wegsterben. Und so verfault das ganze System und zerfällt schlussendlich.
Die Schlussaussage kann also nur lauten: Nur wenn Aristkraten und Bauern in gegenseitiger Wertschätzung leben, kann die Gesellschaft erhalten werden.
Ich finde das Ganze höchst interessant, denn in Foren, wo sich häufig Leute sammeln, die mehr oder weniger gleichwertig sind, auch was ihre meist nicht immer schöne Vergangenheit, ihre wahre gesellschaftliche Position usw. angeht, bildet sich schlussendlich doch wieder eine Gesellschaft, die der gesamtheitlichen (oder wahren, oder wie auch immer man das nennen will) Gesellschaft von der Struktur her gleich ist.
Man kann eine Art Zellteilung beobachten. Ein Teil eines Organismus spaltet sich ab, sammelt sich an einem anderen Ort und baut, aufgrund des immer noch gleichen Erbguts, wieder die genau gleiche Struktur auf, wie der Gesamt-Organismus.
So gesehen kann ich auch die Sichtweise einiger Forscher verstehen, die die Menschheit als Ganzes als Organismus sehen.

Die Aristokraten sind wahrscheinlich auch eher älter und daher auch mehr bereit Verantwortung zu übernehmen. Als Informatiker gefällt mir jedenfalls diese coole, biologische Baummetapher ^^