Zur Zeit lese ich dank einer Kollegin extrem viel von Paolo Coelho. Eigentlich bin ich ja nicht so der Leser, bzw. eigentlich nicht mehr und dann sind seine Bücher auch eher für Frauen geschrieben. Trotzdem verschlinge ich seine Texte mit Begeisterung, und fühlte mich zu folgendem Text inspiriert. Was darin real, erfunden oder einfach eine Metapher ist, soll jeder für sich selbst rausfinden.
„Noch 5 Minuten“, dachte er sich, als er durchs Fenster hinaus schaute und die Autobahn zu seiner Linken erkennen konnte. Noch 10 Minuten, er hätte es eigentlich wissen müssen. Er war die Strecke schon oft gefahren, auch zu dieser späten Stunde. Betrunken war er, zeitweilig konnte er nicht mehr ganz geradeaus gehen. Dazu kam die Müdigkeit, die ihn übermannte, als er losging, da er die letzten Nächte nur wenig, und wenn dann mit Alpträumen versetzt durchschlief. Nun aber waren sowohl Trunkenheit wie Müdigkeit verflogen, sein Kopf klar, seine Gedanken auf Reisen.
Früh war er aufgestanden, erinnerte er sich. Geträumt hatte er, dass sie in seinen Armen liegend ihm ein Kind gebahr. Wobei, geträumt war gelogen, nein, vielmehr gedacht, vorgestellt, gar vielleicht gewünscht hatte er es sich. Denn wenn er etwas konnte, dann bestimmen was er nicht träumte, nicht was er träumen wollte.
Und dabei fühlte er sich derzeit nicht in der Lage an eine ewige Beziehung zu glauben, beziehungsweise so eine einzugehen. Er fühlte seine Naivität, seine jugendliche Blindheit, seine einfältigen Wünsche bei diesem Gedanken.
„Noch bis zum nächsten Absatz“, dachte er sich und las bis zur nächsten Seite.
Wie es wohl wäre, stellte er sich vor, wenn er im Zug mit einer seiner einst geliebten Frauen auf eine Frau treffen würde, die er auf die gleiche tiefgehende Art geliebt hatte, wie die andere. Und wie er der einen klar machen konnte, dass er die andere gleich liebte wie sie einst, ohne natürlich, dass diese wiederum etwas davon bemerken würde. Es erschien ihm irgendwie grundlos sich die beiden einseitig vorzustellen, so dass eine nicht verstand was die andere danach begriff. Trotzdem liess ihn die Sache nicht los.
Erfolglos erstellte er Szenarien zu diesem Gedanken und biss dabei immer wieder auf seinen Kaugummi, der eigentlich scharf nach Zimt schmeckte, dessen Geschmack er aber längst kannte und ihm deshalb kaum mehr auffiel, obschon er ihn gegenüber anderen Geschmacksrichtungen vorzog.
Ob jede Liebe wie ein Kaugummi seinen Geschmack irgendwann ihren Reiz verlor, fragte er sich, in seiner Überzeugung wissend, dass dies nicht sein konnte. Er hatte selbst das Gegenteil schon erlebt und glaubte immer noch daran, dass schlussendlich Geduld und die Fähigkeit zu warten immer zum Ziel führten.
„Eine Seite noch“, dachte er sich, und las noch einen Absatz, dann legte er sein Buchzeichen hinein und spielte mit seinen Haaren. Ein Haar blieb in seinen Fingern hängen.
Er blätterte zurück. Er konnte sich erinnern, dass sich eines ihrer Haare in diesem Buch befanden. Er erkannte es sofort, es war dicker und dunkler als die seinigen. Als er es fand, lag er das Seinige dazu und schloss das Buch. Nein, er war noch nicht bereit.
„Bist du immer noch mit deiner Freundin zusammen“ hatte ihn eine Kollegin gefragt. „Nein“, hatte er geantwortet und ihr dann aus seiner Sicht die Dinge erklärt, wohlwissend, dass es andere Ansichten dazu gab. Der leicht entrüstete Ausruf gegenüber seiner Ex der darauf folgte, überraschte ihn nicht, es war nicht das erste Mal, dass jemand so auf seine Ausführungen reagierte.
Angekommen an seiner Station wurden die Schatten wieder verdächtiger, die Geräusche angsteinflössend. Der Alkohol hatte seinen Körper eben doch noch nicht ganz los gelassen


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